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Emmertsgrund und Boxberg sind keine Ghettos!in 5 Minuten gelesen

Bei der Podiumsdiskussion am letzten Dienstag (07.07.20) über den lokalen Klimaschutz der „Parents For Future Heidelberg“ hat der FDP-Politiker Benjamin Brandstetter die Heidelberger Stadtteile Emmertsgrund und Boxberg als Ghetto bezeichnet. Ein Kommentar und Diskussionsaufruf von Penelope!
 Heidelberger Themen  

Eigentlich rechnet man ja immer mit einem gewissen Verhaltensmuster bei den Politikern. Trotzdem wurde ich am Ende von einer fragwürdigen Aussage des FDP-Politikers Benjamin Brandstetter überrascht. Ich kann mich noch daran erinnern, als mir die Luft wegblieb und ich dachte: „Die Person hat doch gerade nicht das Wort ‚Ghetto‘ in den Mund genommen…“.

Im YouTube-Video zu der Podiumsdiskussion wird ab 1:17:00 dann die Frage an die Lokalpolitiker gestellt, was man für die Stadtteile Boxberg und Emmertsgrund machen kann – bezogen auf eine lokale Klimapolitik. Und darauf reagiert ab 1:17:46 der FDP-Politiker Brandstetter mit der folgenden Aussage:

„Wobei man da auch insgesamt bei Boxberg/Emmertsgrund sagen muss, das war als es damals gebaut wurde ein Riesenfehler. Also außerhalb der Stadt so ein Ghetto zu bauen, ähm, würde man heute nicht mehr machen.“

 „Es ist auch kein Ghetto!“, widersprach die linke Lokalpolitikerin Sarah Mirow dem FDP-Politiker und direkt danach reagierte der CDU-Politiker Matthias Kutsch: „Ich muss Mal eine Lanze für Boxberg/Emmertsgrund brechen“, der wiederum vom FDP-Politiker mit der Aussage „Naja, vor allem ist es deshalb ein Ghetto, weil man es nicht erreicht. Also wenn man mit dem ÖPNV hochwill, wartet man auch mal eine halbe Stunde…“ unterbrochen wurde.

Natürlich hat Kutsch dem FDP-Politiker nicht die Bühne überlassen wollen und sprach zurecht weiter:

„Das stimmt so nicht. Es gibt schon deutlich mehr Busverbindungen. Ich war auch in der letzten Zeit öfter oben und habe Modal Split gemacht. Bin mit dem Fahrrad bis Rohrbach-Süd gefahren, war natürlich ein bisschen faul und bin nicht ganz mit dem Fahrrad den Berg hochgefahren, sondern habe mein Fahrrad im Bus mitgenommen – gar kein Problem. Ähm, das funktioniert schon. Die Busse fahren auch recht gut vom Takt her, da muss man natürlich an der einen und anderen Stelle noch einmal nachjustieren, das stimmt, aber während des Tags fahren die Busse da ganz gut.“

Dann ging die Diskussion in eine andere Richtung, die nichts mit Boxberg und Emmertsgrund zu tun hatte. Nun aber meine persönliche Meinung als Neubürgerin im Heidelberger Stadtteil Emmertsgrund:

Ich wohne seit Ende März 2020 dort. Davor habe ich fast mein ganzes Leben in einer ländlich geprägten Region gelebt, dessen Nahverkehr selbst damals im beschränkten Betrieb viel schlechter als hier war, wenn es auch negative Seiten hatte.

In Emmertsgrund und Boxberg gibt es viel Privatbesitz, allein in Emmertsgrund kenne ich einige Objekte mit Eigentumswohnungen. Ich bin schon sehr viel mit dem Nahverkehr gefahren, ob mit der Direktverbindung zum Bismarckplatz oder über Rohrbach-Süd mit Bus und Straßenbahn. Vor drei Wochen ging es oft mit dem Fahrrad oder zu Fuß von der Heidelberger Innenstadt zu meinem Stadtteil Emmertsgrund. Dies tat ich alleine als Trans-Frau – Mann zu Frau, vor dem Beginn der Hormonbehandlung – und ich wurde selten angemacht sowie nicht angegriffen oder vergewaltigt.

Emmertsgrund hat vielleicht einen sehr hohen Anteil an Personen mit verschiedenen Herkünften und in der Dunkelheit fühlt man sich dann als Frau/Trans-Frau nicht mehr so sicher wie in einer öffentlich belebten Innenstadtlage. Aber wir reden vom gefühlten Unwohlsein, nicht von der tatsächlichen Unsicherheit. Und als Frau/Trans-Frau kann man auch in allen anderen Stadtteilen angegriffen oder zum Beispiel vergewaltigt werden.

Und vielleicht könnte man auch bei der Bausubtanz mehr von Seiten der Stadt unternehmen bzw. fördern und allgemein einen besseren sozialen Mix zwischen armen und reichen Menschen in den verschiedenen Heidelberger Stadtteilen erreichen, denn zum Beispiel in der neuen Bahnstadt wohnen nur 0,2 % Sozialempfänger, was ja viel aussagt. Gab es nicht Mal eine Sozialquote beim Wohnungsbau?

Jetzt wäre mein Blogartikel am Ende angekommen, aber ich möchte diesmal auch einen Anstoß für eine Heidelberger Diskussion machen. Wer aus Boxberg sowie Emmertsgrund will seine Meinung preisgeben? Was könnte noch besser werden? Was funktioniert gut? Wie finden die anderen Heidelberger Bürger die beiden Stadtteile?

Meiner Meinung nach könnte nicht nur der Nahverkehr von Emmertsgrund/Boxberg zu Rohrbach-Süd ab 20 und 22 Uhr besser werden, sondern in ganz Heidelberg. Wie wäre es zwischen 20 und 23 Uhr mit einem 20-Minuten- statt 30-Minuten-Takt im Heidelberger Nahverkehr? Dann würden abends viel mehr Mitmenschen den Nahverkehr anstelle des Fahrrades oder Autos nutzen, auch in Emmertsgrund/Boxberg!

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